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Schreibblog

Die Handschrift offenbart Stärken und Schwächen eines Menschen

Am 29. und 30. Mai fand in Lindau am Bodensee der Internationale Kongress für Schriftpsychologie statt. Wir von der Initiative Schreiben wollten mehr über die Hintergründe wissen und fragten nach bei Claudia Caspers. Die Münchner Graphologin sitzt im wissenschaftlichen Beirat der Europäischen Gesellschaft für Schriftpsycholgie und Schriftexpertise (EGS), die den Kongress veranstaltete. 
 
 
Frau Caspers, können Sie einmal kurz und knapp erklären, worum es sich bei der Graphologie handelt?
 
Caspers: Graphologie ist ein Teil von Körpersprache. Wenn jemand mit hängenden Mundwinkeln  zur Tür hereinkommt, ist anzunehmen, er ist nicht bester Laune. Das sieht jeder. Ein Graphologe sieht an der Kombination aus Ganzheitlichen Schriftmerkmalen und Einzelmerkmalen grundlegende Fähigkeiten und Motivationen, z. B. Entschlossenheit, Ausdauer, um nur einige Eigenschaften zu nennen. Zusammengefasst kann man sagen, dass die Graphologie bzw. Handschriftanalyse jene Disziplin ist, die den Zusammenhang zwischen handschriftlichen und persönlichkeitspsychologischen Merkmalen erforscht und zu beratenden und diagnostischen Zwecken anwendet. 
 
Als Kind hat man ja bestimmte Vorstellungen, was man einmal werden möchte. Graphologin wird Ihnen da sicherlich noch ein unbekannter Begriff gewesen sein. Wann und wie sind Sie denn auf die Branche aufmerksam geworden? Wie lange hat Ihre Ausbildung gedauert und wo haben Sie diese absolviert?
 
Caspers: Zur Graphologie gibt es viele unterschiedliche Wege. Bei meiner Kollegin Katja Rehm hat die Mutter die Schrift von sich und ihrem Mann bei der Zeitschrift „Stern" eingeschickt. Ein Graphologe hat beide so gut beschrieben, eine Seite ganz eng mit Schreibmaschine, dass hat nachhaltig überzeugt. Meine erste Bekanntschaft mit der Handschriftanalyse dagegen war ein Buch im Bücherschrank meiner Eltern und im Alter von 17 Jahren eine Zeitungsannonce in der „Psychologie heute" des Münchner Graphologenverbands, der auf seine Ausbildung aufmerksam machte und die ich kurz darauf begann. Meine Ausbildung habe ich dort angefangen und bei einem Schweizer Verband abgeschlossen. In der Regel dauert eine Ausbildung drei bis vier Jahre. Über das „Faszinousum Handschriftanalyse - Eine Liebeserklärung an die Graphologie“ finden Sie einen Artikel in unserer Online-Zeitung „GraphologieNews“, in dem Interessierte mehr Informationen und Hintergründe über die graphologische Ausbildung in den jeweiligen Berufsverbänden Europas erhalten. 
 
Zum Beruf des Graphologen: Er erkennt Stärken und Schwächen eines Menschen durch die Schriftanalyse. Das kann einen Arbeitgeber interessieren, der jenseits der Zeugnisse und des Lebenslaufes mehr erfahren möchte hinsichtlich z. B. Belastbarkeit, Sozialverhalten, Zielstrebigkeit. Es kann auch für den Schreiber selbst von Interesse sein, wenn er mehr über sich erfahren möchte, sei es zur Selbsterkenntnis oder beruflichen Umorientierung. Auch Jugendliche, die nicht wissen, welchen Weg sie einschlagen möchten.

Grapho- oder Schreibtraining - das ist ein noch nicht so bekannter Bereich. Viele fühlen sich mit ihrer Schrift nicht wohl, Kinder scheuen sich zu schreiben, weil es ein einziger Stress ist. Da sind Übungen, die man im Schreibtraining erlernt eine gute Möglichkeit, unverkrampfter an das Schreiben zu gehen.
 
Die Graphologie ist ja ein sehr spannendes und vielseitiges Themengebiet, in welchem sogar Verbrecher anhand ihrer Schrift enttarnt werden können. In was für Feldern wird die Graphologie eingesetzt? Haben Sie schon von Unternehmen gehört, die über die Graphologie ihre Bewerber analysieren lassen? (Haben Sie schon selbst solche Aufträge erhalten?)
 
Caspers: Hier sprechen Sie das Thema „Schriftvergleichung“ bzw. „Schriftexpertise“ an, was man gänzlich von der Graphologie unterscheiden muss. Das ist leider ein in der Öffentlichkeit sehr verbreitetes Missverständnis, dass die Graphologie dasselbe sei wie die Schriftvergleichung. 
Zum Unterschied: In unserem europäischen Dachverband gibt es drei Gruppen, die sich alle mit der Analyse der Handschrift befassen, aber unterschiedliche Ausbildungen und Aufgaben haben: 1. Die Schriftvergleicher, die sich mit der Echtheit und Urheberschaft einer Schrift befassen. 2.  Die Graphologen, die sich mit den persönlichkeitspsychologischen Merkmalen der Handschrift befassen und 3. die Graphotrainer, die Menschen helfen, das Schreiben zu erlernen bzw. wieder zu erlernen. 
Über die Differenzierung zwischen Schriftvergleichung und Graphologie hat einer unserer Schriftvergleicherkollegen übrigens einen Artikel mit dem Titel "Ist mit dem Auftrag zu einem ‚graphologischen Gutachten‘ wirklich immer ein graphologisches Gutachten gemeint?“ verfasst. Hier werden die Unterschiede genau erläutert. Da ich selbst Graphologin bin, habe ich noch nie einen Schriftvergleichungsauftrag bearbeitet, sondern leite diese immer an meine Kollegen weiter. 
 
Was beeinflusst die Handschrift?
Caspers: "Der Empfänger schreibt mit" - das heißt, wenn Sie einen sehr guten Eindruck hinterlassen möchten, bemühen Sie sich, "ordentlicher" zu schreiben, Sie schreiben wohlmöglich lesbarer als wenn sie den Text nur für sich selbst geschrieben hätten. Aber es ist deutlich Ihre Schrift - das erkennt jeder. Was die Schrift noch beeinflusst: Der Beruf. Lehrer z. B. schreiben meist ordentlicher als Ärzte. Aber auch so einfache Dinge wie die jeweilige Schreibunterlage, der gewählte oder gerade vorhandene Stift beeinflussen das Schriftbild. Dann natürlich auch psychische Begebenheiten wie z. B. die jeweilige Stimmung, der Grad der inneren Anspannung oder auch Aufregung.
 
Noch eine Frage zum bevorstehenden Event, dem Kongress für Schriftpsychologie. Was genau wird die Besucher dort erwarten?
 
Caspers: Bei der Ausstellungseröffnung „Kulturgut Handschrift mit Schreiberlebniswelt“ erwartet die Besucher ein Rahmenprogramm zu folgenden Themenbereichen: Kurzvorträge zum Thema "Schriftproben aus fünf Jahrhunderten“ sowie dem Zusammenhang zwischen Schreiben, Lesen, Kreativität und sozialem Miteinander. Des Weiteren können die Besucher in der Schreiberlebniswelt selbst den Schreibprozess auf unterschiedliche Weise und mit verschiedenen Schreibgeräten erleben. Im Anschluss können Sie sich darin versuchen, zu ergründen, was man der eigenen Schriftprobe graphologisch entnehmen kann, wobei Mitglieder unseres Dachverbandes hier mit Rat und Tat zur Seite stehen. Weitere Informationen über die Event finden Sie hier bzw. unter www.schreiberlebniswelt.net.
 

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